Jesuit Volunteer Luis Lütkehellweg

lebt für ein FSJ seit Anfang August in Darjeeling, Indien

Der Alltag mit Father Henry

Sittong ist eigentlich gar nicht so klein, zumindest was die Fläche angeht. Deswegen gibt es auch Sittong 1, 2 und 3, in denen es wiederum einige Dörfer gibt. Ich wohne in Naspategoan in Sittong 3. Aber auch nicht genau im Dorfkern, sondern ein bisschen abseits in einem kleinen Häuschen. Und wie das Leben um und in diesem Häuschen so ist, möchte ich euch in diesem Blogeintrag erzählen.

Ich lebe gemeinsam mit Father Henry, einem Missionar, der eigentlich aus Chennai im Süden Indiens kommt. Er ist dem Orden jedoch direkt hier in der Provinz Darjeeling beigetreten, weil er gerne Missionar werden wollte. Es gäbe in Südindien nämlich mehr Christen und deswegen würden vor allem die Orden hier ohne die Missionare aus den südlichen Provinzen an Priestermangel leiden. Henry ist 44 Jahre alt und echt super drauf. Wir kommen noch immer wunderbar miteinander klar und ich bin echt froh, ihn in diesem Jahr an meiner Seite zu haben. Und das ist er wohl auch über mich, denn er betont noch immer, wie langweilig es sei, alleine zu leben.

Das Haus hat 4 Räume – einen für mich, einen für Henry, ein Gästezimmer und eine Küche. Die Waschräume sind knapp 20 Meter hinter dem Haus.

Ein Blick in den Waschraum – links die Dusche

Das Gästezimmer ist erstaunlich oft belegt, ungefähr alle 2 Wochen bekommen wir von jemandem Besuch. Sei es Father David, der bis vor 2 Jahren für die Schule verantwortlich war und jetzt ein bisschen „Heimweh“ zu haben scheint, der Bischof, Jesuitenbrüder oder Mitfreiwilige von mir – das Gästezimmer wird genutzt und es bringt auch immer mal ein bisschen Abwechslung in den sonst hier mittlerweile unspektakulärer werdenden Alltag.

Der beginnt jeden Morgen gegen halb 8 mit einer Messe zu zweit, die eigentlich immer ganz nett ist. Danach hat die Köchin schon das Frühstück gebracht und wir frühstücken. Oder besser gesagt: Ich frühstücke, denn Father Henry ist da immer ein bisschen schneller und nimmt sich nur drei Rotis auf die Hand, um schnell in der Schule zu sein.

Dann beginnt um neun Uhr der Schulalltag, über den ich in meinem letzten Eintrag berichtet habe.
Normalerweise bin ich dann immer gegen 17 Uhr zurück, in den letzten zwei Wochen war das allerdings deutlich früher, weil die Abschlussprüfungen für die Schüler anstanden und die Schule damit mit dem Mittagessen geendet hat.

Dann habe ich ein bisschen Zeit für mich, die mir auch immer sehr gut tut. Klar, mir ist manchmal etwas langweilig, was wohl der Nachteil eines abgelegenen Ortes ist, aber ich lese viel und komme meistens gut mit der Zeit alleine klar. Während dieser Zeit werde ich meist nicht nur durch mein Buch, sondern auch durch ein tolles Geräusch aus dem Nachbarraum unterhalten. Fr Henry macht seinen Nachmittagsschlaf und er schnarcht schon recht laut – nicht nur Nachmittags. Glücklicherweise habe ich es allerdings schon in Deutschland trainiert, mit diesem Geräusch klarzukommen – Danke Papa! Den Schlaf braucht Fr Henry auch, denn er schaut meist bis recht spät in den Abend Filme oder bekommt Anrufe.

Warum ich das alles mitbekomme? Naja, die Wände sind lediglich Holzbretter und die schirmen jetzt nicht so sehr vor Schall ab.
Gegen halb 8, mittlerweile wegen des Winters auch schon um 7 Uhr (die Begründung habe ich nicht genau verstanden, denn dunkel wird es schon um 17 Uhr) essen wir dann zu Abend. Auch das Abendessen bringt unsere Köchin, die eigentlich nicht bei uns kocht, weil sie zu Hause Gas hat und das schon deutlich einfacher ist als über dem Feuer. Die kulinarische Vielfalt hat sich noch nicht wirklich gewandelt seit ich hier bin. Squash scheint leider immer zu wachsen und auch Kartoffeln gibt es noch viel zum Reis. Aber mittlerweile ist auch Spinatsaison, sodass es manchmal den Spinat aus unserem eigenen Garten gibt.

Nach dem Abendessen gehen wir noch heraus, schauen uns die Berge an und unterhalten uns dabei. Immer ein sehr sehr schöner Tagesabschluss, bevor ich auch schon gegen 9 Uhr schlafe.
Ich bin sehr froh hier gelandet zu sein und merke immer öfter, wie sehr mir das Leben auf dem Dorf, abseits von Lärm und Stress doch gefällt und wie ich das Dorfleben in irgendeiner Weise auch brauche. Ich hoffe, dass es auch so bleibt und ich mich hier nicht totlangweile, aber es sieht gerade keinesfalls danach aus 🙂


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