Jesuit Volunteer Luis Lütkehellweg

lebt für ein FSJ seit Anfang August in Darjeeling, Indien

Kalkutta Im Weihnachts- und Demofieber

Ich habe die Chronologie durchbrochen, denn ich war vor Weihnachten in der ehemaligen Hauptstadt Indiens, aber der erste Post passte einfach besser in die Zeit herein.

Weil ich ja schon seit dem 10.12. Winterferien habe, dachte ich mir, die Zeit zu nutzen und für eine Woche einen Freund von mir in Kalkutta zu besuchen, den ich auf der Lehrerfortbildung kennengelernt habe. So hatte ich Unterkunft und Reiseführer in einem – praktisch 🙂

12 Stunden braucht man mit dem Bus aus Siliguri nach Kalkutta und ist dann noch immer im selben Bundesstaat. Aber trotzdem war es gut, dass ich mich für eine Fahrt mit dem Bus entschieden habe, denn der Zug wäre ausgefallen. Demonstranten haben nämlich zum Protest gegen das umstrittende Einwanderungsgesetz die Bahnstrecke demoliert. Und das sollte nicht das letzte Mal in dieser Woche sein, dass ich davon etwas mitbekam, denn Kalkutta liegt schließlich sehr nah an der Grenze zu Bangladesch und eben jene Einwanderer wären von diesem Gesetz weitestgehend betroffen.

Da wollte man nur kurz Biryani essen und schon ist man im Protest – zum Glück wurde ich nicht ausgewiesen

Die Tage in Kalkutta verbrachte ich vor allem unter Angloindern, einer Community, die britische Vorfahren hat und deswegen fließend Englisch spricht – generationsübergreifend. Das war schön und spannend, denn ich hatte das Gefühl, dass diese Community sich nur bedingt indisch fühlt, sondern sich auch gezielt etwas abgrenzen will, teilweise gerne unter sich bleibt und sich gelegentlich über die Politik aufregt.

Ein Selfie von der Fährfahrt über den Hugli

Schon am ersten Abend fiel mir, als wir auf dem Weg zum Grab von Mutter Teresa waren, auf, dass die Park Street, die Haupteinkaufsstraße von Kalkutta komplett schrill und grell beleuchtet war. Und zwar wegen Weihnachten. Man merkt das Kolonialerbe hier auf jeden Fall. Und nicht nur das. Im Laufe der Woche besuchten wir noch ein Weihnachtsfestival in der Innenstadt, man hörte generell überall Weihnachtslieder zwischen dem Gehupe. Das hatte ich keinesfalls erwartet.

Aber in der Stadt überraschte mich noch etwas anderes, was wohl die Briten gebracht haben. War meine Assoziation vorher immer, dass Kalkutta chaotisch sei, ist es jetzt eher das Gegenteil. Man steht eigentlich überall in einer Schlange an. Sogar vor dem Auto-Riksha-Stand!

Schlange stehen für die Auto Riksha nach Hause

Aber nicht nur Schlange stehen stand auf dem Programm, sondern auch viel Sightseeing, denn Kalkutta hat vergleichsweise viel zu bieten. Die Briten bauten ein Denkmal für Queen Victoria kurz nach ihrem Tod, unter deren Krone die indische Kolonie stand. Sie bauten eine Kathedrale und viele andere Gebäude, die das Stadtbild noch immer merklich prägen. Doch auch zwischen den Biryani- und Beefverkäufern in den moslemischen Vierteln habe ich mich sehr wohl gefühlt.

An den Beefverkäufern sind wir natürlich nicht einfach vorbeigegangen, sondern haben das ein oder andere Mal einen Kilo mitgenommen, um ihn zu Hause zuzubereiten. Donavin ist nämlich sehr am Kochen interessiert und so konnte ich in dieser Woche viel Lernen und viel Essen.

Alles in allem war es eine tolle Woche voller Gastfreundschaft die mir ein anderes Bild von Kalkutta beschert hat, als ich es mir vorgestellt habe. Aber was für mich nach dieser Woche auch klar war: Ich bin echt froh, dass ich auf dem Land arbeite, denn Städte sind mir vor allem hier in Indien echt zu anstrengend!

Gerade bin ich auf dem Weg zu meinem Zwischenseminar und habe schon eine Woche Reisen, sowie eine Hochzeit hinter mir! Sobald ich aus dem Urlaub wieder da bin, gibt es die Berichte!


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