Jesuit Volunteer Luis Lütkehellweg

lebt für ein FSJ seit Anfang August in Darjeeling, Indien

Als Tourist auf dem Weg zur Punjabi Hochzeit

Gleich zu Beginn des neuen Jahres sollte es für mich – besser für uns, denn ich reiste mit meiner Mitfreiwilligen Theresa – quasi einmal durch ganz Indien gehen. Von Ost nach West, von Nord nach Süd. Und wieder zurück.

Unser Rahmenprogramm wurde durch die Hochzeit von Harry, einem Kumpel von mir aus Deutschland, in Punjab, einem Bundesstaat im äußersten Nordwesten gesetzt. Doch um den langen Weg von eigentlich zweieinhalb Tagen Zugfahrt aufzuteilen und glücklicherweise sehr spannende Orte auf genau dieser Strecke lagen, entschieden wir uns, einen Halt in Varanasi und Agra einzulegen, bevor wir zur viertägigen Hochzeitsfeier fuhren.

Beim Schuheunterbringen ist Konzentration gefordert

Varanasi ist die heilige Stadt der Hindus, einigen dürfte das Bild der Krematorien direkt am Ganges vorschweben, denn die Hindus glauben daran, dass man, wenn man dort stirbt und bestattet wird, aus dem Kreis der Wiedergeburten ausbrechen und moksha erreichen kann. Wird Varanasi vor allem immer als sehr dreckig und eklig propagiert, war es für mich mehr eine Stadt mit einem wunderbaren Flair, den man in kleinen Gassen und am Ganges, gesäumt von Ghats mit Tempeln, fühlen konnte.

Über Umwege kamen wir in Varanasi an eine Unterkunft bei der Indian Missionary Society, einem kleinen Orden, der vor allem in Indien tätig ist und dort sein Generalat hat. Am nächsten Tag stand also neben dem Besuch der Geburtsstätte des Buddhismus, Sarnath, der Ort wo der Buddha seine erste Predigt hielt, auch der Besuch der theologischen und philosophischen Hochschule auf dem Programm. Der Orden verfolgte eine sehr von der „indischen“ Kultur geprägte Spiritualität, die ich sehr spannend und berührend fand. Anders als viele Kirchen und Kapellen hier, die sehr europäisch geprägt sind, besuchten wir Kapellen mit spirituellen Elementen aus dem Hinduismus und Buddhismus, sahen Mosaike eines Christus in der Meditationshaltung Buddhas und Mariens mit Bindi. Schon herzlich aufgenommen wurden wir auch nach nur zwei Tagen herzlich verabschiedet, bekamen sogar noch Wegzehrung für die Weiterreise nach Agra.

Ein Bild einer Kapelle der IMS, ein besseres habe ich im Netz leider nciht gefunden. Über dem Gang zum Tabernakel sieht man ein Marienmosaik, die Blume im Vordergrund ist die Mitte. Stand man dort, hat sich die Stimme anders angehört. Der Tabernakel ist in der Mitte eines kleineneren Achtecks untergebracht. Die Kapelle sei vor allem von hinduistischen Tempeln inspiriert.

Die ehemalige Hauptstadt des islamischen Mogulreiches, des ersten Großreiches in Nordindien, ist wohl hauptsächlich für das Taj Mahal bekannt, ist aber auch eine Erzdiözese in dessen pastoralem Zentrum wir schlafen konnten. Wir schauten uns mal mehr, mal weniger gut erhaltenen Bauwerke aus der Mogulzeit an, oder solche, die sich zumindest an deren Architektur orientierten, bevor wir am Samstag DAS Touristenziel in Indien besuchten – das maßlos überlaufene und vor allem zum Fotosymbol gewordene Taj Mahal.

Ohne Frage, ein wunderschönes Gebäude, aber der Spaziergang durch die Steppe daneben, aus der man auch einen tollen Blick hatte, jedoch keiner Menschenseele begegnete bis man auf einmal in einem Park oder Wohnkomplex landete, sagte mir mehr zu.
Aus Agra, schon recht westlich gelegen, ging es noch einmal weiter gen Westen nach Punjab, um die Hochzeit zu besuchen, von der ich allerdings nicht heute erzählen werde.

Mittlerweile bin ich wieder in Sittong und seit zwei Wochen hat die Schule wieder begonnen. Ich freue mich, in diesem halben Jahr neben Englisch auch Computerunterricht für meine vierte Klasse geben zu dürfen und bin erschrocken, dass mittlerweile schon mehr als die Hälfte dieses Jahres vergangen ist.


Bleibe auf dem LAufenden!

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