Jesuit Volunteer Luis Lütkehellweg

lebt für ein FSJ seit Anfang August in Darjeeling, Indien

Ein Ausflug nach Kalimpong

Aus vier mach zwei

Fahrt nach Kalimpong

Wie schon im letzten Post erwähnt, sind wir am Freitag nachmittag nach Kalimpong gefahren. Kalimpong liegt knappe 50km von Darjeeling entfernt, aber in Indien hat man ja Zeit. Und die braucht man auch. Als ich vor Monaten das erste Mal den Weg von Darjeeling nach Kalimpong bei Google Maps eingegeben hatte, um zu schauen, wie lange Theresa von mir weg ist, konnte ich mir nicht erklären, wie man für diese Strecke ganze zweieinhalb Stunden brauchen kann. Jetzt weiß ich es: Hier im Himalaya sind die Straßen sehr kurvig und sehr steil. Geschmückt werden sie von Schildern, die als Äquivalent zur „Runter vom Gas“ Kampagne zu verstehen sind. Ich finde sie aber deutlich sympathischer. Um nur ein paar zu nennen:
Donate your blood to blood banks, not to this road
Today alert, tomorrow alive
Safety is gainful, an accident is painful

Ein Blick aus dem Auto


Und so fuhren wir unsere zweieinhalb Stunden und zwischenzeitlich tausend Meter bergab, vorbei an Bergen, Teefeldern, Bergen, Teakwäldern, über den Teesta und wieder die Berge hinauf zur Gandhi Ashram School in Kalimpong. Die Gandhi Ashram School ist eine jesuitische Schule mit musikalischem Schwerpunkt, die Kindern kostenlos die Möglichkeit auf Bildung und auf das Erlernen eines Instruments gibt.

Der Teesta. Dahinter: Sikkim, Indiens kleinster und jüngster Bundesstaat


Die Einfahrt zur Schule war so steil, das wir fast eine Frau umgefahren hätten, weil man mit recht hoher Geschwindigkeit hochfahren musste. Die Frau sprang trotz Hupe nicht schnell genug beiseite, also bremsen, zurückrollen und ein neuer Versuch. Diesmal gelang es und langsam fuhren wir zur Schule hinauf. Langsam, weil alle 20m jemand „Father, hello Father“ rief. Father Paul scheint hier tatsächlich ein sehr geschätzter Mensch zu sein.
Angekommen wurden Lara und ich direkt in unsere Zimmer geführt. Eine Überraschung: Eine Dusche!! Von dem, was diese Dusche tatsächlich in sich hatte, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Dazu später mehr.

Instagramshooting mit Theresa

Theresa und Helene werden zu ihren Gastfamilien gebracht


Nach einem Tee begaben wir uns auch recht schnell wieder ins Auto, um Theresa und Helene bei ihren Gastfamilien abzuliefern. Wer zu wem kommt, wurde schon auf der Fahrt von Darjeeling „ausgelost“. Zu Theresas Familie mussten wir erstmal noch ein gutes Stück von der Straße aus wandern, aber das hat sich gelohnt. Eine pure Idylle, super nette Leute und leckerer Tee. Ihr neues zu Hause ist einfach mit einem ganzen Jahr Ferienlager vom ersten Eindruck her zu vergleichen! Und bisher gefällt ihr es auch gut ;-). Von dort aus ging es weiter, um Helene wegzubringen. Ihr Haus lag sogar direkt an der Straße und auch hier gab es, natürlich, wieder Tee.

Der Weg in Theresas neues Heim


Nach ein paar Unterhaltungen liefen wir, die Verbliebenen, Lara, Father Paul und ich zurück zur Gandhi Ashram School, wo auch bald schon das Abendgebet und das Abendessen auf uns wartete. Der Weg führte uns durch ein kleines Stück „Dschungel“, an Reisfeldern vorbei zurück zur Schule. Im Sonnenuntergang.

Fr. Paul und Lara wandern im Sonnenuntergang

Nach dem ersten Abendessen zu zweit (also nicht zu zweit aber ihr wisst, was ich meine), genoss ich noch den Abend auf der Dachterrasse, mit Blick ins dunkle Himalaya, wo auf jedem Hügel Dörfer zu erkennen waren. Zwischendurch ging das Licht mal auf dem ein oder anderen aus – Stromausfall. Aber das ist man ja mittlerweile gewohnt.

Den Morgen verbrachte ich nach dem Frühstück mit Schlafen und nach dem Mittagessen ging es auch rasch nach Hause.

Vor dem Frühstück freute ich mich allerdings auf eine schöne warme Dusche. Diese Freude blieb aber nicht lange. Ich machte das Wasser an – kalt. Drehte den Hahn für warmes Wasser auf – aus einem Schlauch, der über dem Waschbecken aus der Decke schaute kam Wasser, aber auch das war kalt. Also kalt duschen. Ich würde mich trotzdem für den Eimer mit warmen Wasser entscheiden, den ich noch in der Hayden Hall hatte.

Auf dem Rückweg saßen wir auch nur mit fünf Leuten auf fünf Sitzen, denn wir nahmen noch Virgil, den Director of Music der Gandhi Ashram School mit nach Darjeeling, weil er auch noch für die Hayden Hall arbeitet.

Wie gefällt mir Kalimpong?

Zurück in Darjeeling

Dann Ausruhen, der Weg war schließlich lang, und Abendessen. Es gab Momos, und zwar selbstgemachte Schweine- und selbstgemachte gebratene Hühnchenmomos. Was ein Festmahl. Die Krönung war aber natürlich die gute westfälische Plockwurst, die zur Feier des Tages angeschnitten und genossen wurde. Denn neben Virgil aßen auch Beam und Tensing mit uns, zwei weitere Mitarbeiter der Hayden Hall. Gesteigert konnte die Wurst natürlich nur durch Bier werden, und das wurde sie 😉

Die Tage bis Dienstag waren dann sehr ruhig, Kanchenjunga zeigte nochmal mehr von und dann wieder nicht. Das Wetter ist eben wechselhaft in den Bergen.

Freier Blick aus dem Fenster auf den dritthöchsten Punkt unseres Planeten

Aus Sittong

Mittlerweile bin ich aber seit Dienstag weit ab vom Schuss. Die nächste größere Stadt liegt zwei Autostunden entfernt, die nächste Hauptstraße eine dreiviertel. Hier in Sittong werde ich für das kommende Jahr leben, in einer Missionsstation gemeinsam mit Father Henry, der hier vor einem Jahr hingezogen ist, als die Jesuiten die Grundschule übernommen haben, in der ich arbeiten werde. Er hat sich sehr gefreut, dass ich komme, weil er sich sonst immer gelangweilt hat, ich hoffe mal, dass diese Freude andauert.

Fr. Henry vor seinem Haus

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