Jesuit Volunteer Luis Lütkehellweg

lebt für ein FSJ seit Anfang August in Darjeeling, Indien

Sonntag ist Familientag

Sonntag ist Familientag, so wurde mir das von Kindesbeinen an beigebracht. Und diese Tradition führe ich auch hier fort, wenngleich auch nicht mit meiner eigenen Familie. Eines hat die Familie, bei der ich die letzten drei Sonntage zu Gast sein durfte aber mit meiner gemeinsam: Sie ist katholisch. Und wohnt auf dem Dorf.

Sonntagsmesse in der Kapelle

Um 10:30 Uhr ist sonntags in der Infant Jesus Chapel, der Wellblechkapelle an unserem Haus Gottesdienst für die doch sehr kleine Gemeinde. An einem Gottesdienst nehmen immer ungefähr 15 Leute teil, wovon die meisten mehr als eine halbe Stunde bis hierhin laufen. Los gehts aber immer schon um 10 Uhr mit dem Rosenkranzgebet. Die Messe selbst ist (leider) auf Nepali, aber dafür habe ich ja an sechs anderen Tagen pro Woche eine Messe auf Englisch.

Meine Aufnahme in die Gemeinde
Meine Aufnahme in die Gemeinde

Und nach der Messe geht der Fußweg los. Die Familie wohnt im übernächsten Dorf, knapp 30 bis 40 Minuten Fußweg von uns, im nächsten Dorf wohnt keine einzige katholische Familie. Es ist die Familie einer Lehrerin, die mich für drei Sonntage aufgenommen haben. Der Grund ist einfach: Sie und ihr Sohn (oder was auch immer, ich habe die Familienverhältnisse noch nicht ganz durchblickt) Markus sind ungefähr die einzigen aus der Gemeinde, die Englisch sprechen.

Mehr als eine halbe Stunde Fussweg

Und so ging ich immer mit ihnen mit. Auf dem Weg legten wir immer einen Stopp beim Feld der Familie ein, damit die Kuh gefüttert werden kann und dann ging es weiter. Ich wurde gebeten, mich ins Wohnzimmer zu setzen und es gibt erstmal Wasser, kurze Zeit später Tee. Beim ersten Mal war ich noch ziemlich überfordert, Father Henry hatte mich bei ihnen zum Mittagessen eingeladen und ich bekam einen Tisch ins Zimmer getragen, sollte mich immer wieder hinsetzen wenn ich aufstand um zu helfen, bekam mein Essen vorgesetzt und aß alleine. Dann machte ich einen kleinen Spaziergang mit Markus durchs Dorf, wir tranken Tee und zum Abschluss gab es noch Momos.

Ausblick
Zwar nicht das Haus der Familie, aber der Ausblick aus einer Gasse

Gesprächsthema: Landwirtschaft

An den letzten beiden Sonntagen hatte ich aber die Möglichkeit, ein bisschen mehr von ihrem Leben zu sehen als dieses Wohnzimmer. Ich ließ mich durch den Garten mit Gurken, Ingwer, Kardamom, Squash, Hühnern, einer Ziege und einem Schwein führen. Immer wieder hieß es:„working in India is different to working in Germany, no? You have a lot of machines in your country, no?“ Staunen löste ich aus, als ich davon erzählte, dass mein Nachbar einen Melkroboter hat. Generell war Markus sehr an der Landwirtschaft in meinem Dorf interessiert und ich bin froh, dass ich mich vor einigen Jahren auch mal mehr dafür interessiert habe, damit ich erzählen konnte. Doch die Dimensionen dieser, wie er es nannte, „industriellen Landwirtschaft“ waren für ihn kaum vorstellbar.

Schwein duschen
Markus beim Duschen des Schweins

Landwirtschaft hier heißt komplette Handarbeit. Gras für die Kuh, von denen eine Familie maximal zwei hat, wir mit der Sichel geschnitten. Sägespäne, auf denen die Hühner leben, werden selbst getrocknet. Und es geht vor allem um die Selbstversorgung, denn verkaufen kann man eigentlich nur in der touristischen Saison, wenn die vielen Homestays von Bengalis ausgebucht sind, die Urlaub in den Bergen machen. Hier ist schließlich fast jeder zumindest halbtags Landwirt.

Der Hof
Der Hof – links eine kleine Küche, rechts lebt eine Ziege

Ich weiß nicht, an wie vielen Sonntagen ich noch bei der Familie sein werde, aber es werden sicherlich nicht allzu wenige sein. Mir gefällt es super, dadurch einen direkten Einblick in das Dorfleben hier in Sittong zu bekommen. Manchmal fühle ich mich aber ein bisschen doof, zu sehen wie Markus die ganze Zeit arbeitet und mir von Tee bis Gurken alles vorgesetzt wird. Deswegen wollte ich mal schauen, ob ich mich ein bisschen dort einbringen kann. Zum Beispiel zur Teeernte, denn die interessiert mich in dieser Region natürlich besonders.

Teefelder
Teefelder
Raymound, mit dem ich letzten Sonntag eine kleine Wanderung zu einem buddhistischen Kloster und Teefeldern machte
Raymound, mit dem ich letzten Sonntag eine kleine Wanderung zu einem buddhistischen Kloster und Teefeldern machte

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